среда, 26. новембар 2008.

sie werfen bomben...

© by Knud Odde Sorensen

sie werfen bomben splittern leben einfach so in hundertfache fetzen
zerreißen lebensläufe ohne nachsicht einfach so hinein in kaltes nichts

einfach so ohne nachsicht lassen gelassenheit bersten ursprung und ausgang
vertan alles vertan ausgemerzt mit einem krachenden schlag aus und zerstört

lebensader mensch lebensader geist lebensader arbeit und zukunft und...
zerplatzt in blutende schlieren ins nichts ins haltlose nichts einfach so ins nichts

und übernehmen die verantwortung dann dafür so sagt harmlos der sender
verantwortung dafür was soll das sein für dieses massaker ganz einfach so

weil sies doch wollten ganz einfach so dies werk der zerstörung
weil sies kreierten mit triftigen plänen tag und stunde minute sekunde

wenn viele dort sind viele bekannte und ungenannte und ungeahnte
dort sich verlaufen an diesem ort der nur harmlos alltag auslebt lebendig

einfach so mit sonne und wind und tagwerk und sorgen und lust freude am sein
und der gier die in freude sich ballt weil’s doch schlichtweg ein nachher noch geben wird

ein nachher mit glut und mit kälte mit lust und mit frust und mit puls und atem
wenn sekunden im äther zerstäuben das all als wäre die welt ein orkan

und dann was ist gewonnen was einfach so im blut versackt einfach so
hinweggespritzt aus der welt herausgesprengt versickert zu leid hundertfach

jede grausamkeit ist ausgeburt vom nichts ... denn einzig das nichts ist grausam...
nur die leere hat keine zukunft ... nur das leere nichts gebiert zerstörung....

© by Gabriele Brunsch

понедељак, 24. новембар 2008.

André Malraux


Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern.

André Malraux




Friedrich Nietzsche: Im Süden

Friedrich Nietzsche
Im Süden

So häng' ich denn auf krummem Aste
und schaukle meine Müdigkeit.
Ein Vogel lud mich her zu Gaste,
ein Vogelnest ist's, drin ich raste.
Wo bin ich doch? Ach, weit! Ach weit!

Das weiße Meer liegt eingeschlafen,
und purpurn steht ein Segel drauf.
Fels, Feigenbäume, Turm und Hafen,
Idylle rings, Geblök von Schafen, -
Unschuld des Südens, nimm mich auf!

Nur Schritt für Schritt - das ist kein Leben,
stets Bein vor Bein macht deutsch und schwer.
Ich hieß den Wind mich aufwärts heben,
ich lernte mit den Vögeln schweben, -
nach Süden flog ich übers Meer.

Vernunft? Verdrießliches Geschäfte!
Das bringt uns allzu bald ans Ziel!
Im Fliegen lernt ich, was mich äffte, -
schon fühl' ich Mut und Blut und Säfte
zu neuem Leben, neuem Spiel ..

Einsam zu denken nenn' ich weise,
doch einsam singen - wäre dumm!
So hört ein Lied zu eurem Preise
und setzt euch still um mich im Kreise,
ihr schlimmen Vögelchen, herum!

So jung, so falsch, so umgetrieben
scheint ganz ihr mir gemacht zum Lieben
und jedem schönen Zeitvertreib!
Im Norden - ich gesteh's mit Zaudern -
liebt' ich ein Weibchen, alt zum Schaudern:
"die Wahrheit" hieß dies alte Weib ..

Friedrich Nietzsche

петак, 21. новембар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Very you

"Dominique Goblet" © by Lagoblette

Very you
(für Dich im Marketing-Denglisch)

Sport, Lifestyle und Fashion
eine lebendige Komposition
beflügelt von Fantasy
macht das Leben schöner und very intensive

Unverkennbar moderner
ausdrucksvoller Mix voller Lebenslust
cool, atemberaubend, sensitive
sexy in vollen Zügen, very sophisticated

modern shining und einzigartig
symbolisiert puren Luxus und Eleganz
sorgt für die freshe Ausdruckskraft
und unverwechselbare Identity

verführerisch urban, selbstbewusst
und warum nicht – very secret
authentic, lässig, dynamic betont
unendlich fascinating, charismatisch

Sport aktiv - der Freshe-Kick
Hauptsache: Du haltest Dich fit

Miroslav B. Dušanić

Geburtstag - Miroslav B. Dušanić: Meine Gedichte

Mein Lyrik-Blog feiert heute sein 2jähriges Bestehen.
Vor genau zwei Jahren erschien mein erster Beitrag.
Großen Dank an treue Literaturfreunde u. Besucher!

Photobucket


Meine Gedichte

Hier liegen meine Tränen zum Lesen bereit
jeder Satz in öder Ruh geschrieben

Hier entsteht eine Gedichtsammlung
eine Exilerfahrung sozusagen
fern-vom-Vaterland

als würde ich innerlich zerspringen
Hier in Deutschland

verstummt mein Lachen

Miroslav B. Dušanić

уторак, 18. новембар 2008.

Tasso J. Martens (Reinhard Mermi)

Ein Lyriker, der keine Trommel schlägt und trotzdem (oder gerade deswegen) heute zu den größten Lyrikern der deutschsprachigen Blog-Lyrik-Szene zählt.

Tasso J. Martens


gedächtnisachse
I

unter der dünung
ruht die zeit
in der amphore
schreibt sich ins blau
gesintertes perlmutt
hin zu den stelen

Eine andere Welt als unsere Wirklichkeit, so wie wir sie erfahren, haben wir nicht, da wir sie auch nicht erfahren könnten, so sie existieren würde, weil wir dafür nicht geschaffen sind. Es ist deshalb müßig nach anderen Welten Ausschau zu halten, selbst das Nichts ist Teil unserer Wirklichkeitswelt. Denn das Wesen des Nichts erkennen wir nur als Berandung unserer Wirklichkeitswelt. Mit diesem Verständnisbild ist damit die Existenz von anderen Wirklichkeitswelten nicht ausgeschlossen, ja es enthielte die tröstliche Einsicht, dass unser Nichts Teil einer anderen Wirklichkeitswelt ist. Doch aus welchem Stoff ist - für uns - unsere Wirklichkeitswelt? Es ist zum einen die Materie, und es sind die gesetzmäßen Vorgänge um uns, deren Abfolge wir mit dem imaginären Begriff der Zeit verbinden. Aber es ist noch mehr. Die Wirklichkeitswelt wird erst zu unserer Wirklichkeit, bzw. kann von uns als Wirklichkeit verstanden werden, wenn wir unsere Gedanken, Assoziationen und Reflexionen - man könnte sie als das "gedankliches Echo" unseres Seins im "Hallraum" der Wirklichkeitswelt bezeichnen - mit einbeziehen. Damit sind wir selbst Teil der Wirklichkeit, ja gäbe es ohne unsere Existenz keine Wirklichkeit, so auch die Zeit ohne uns nicht existieren würde. Und noch eine Erkenntnis ergibt sich daraus: Die Wirklichkeit kann ohne das "Ideelle" nicht existieren, aber auch nicht ohne das "Materielle", ja beide Bereiche brauchen einander in der Ergänzung.

II

brücken ungewegt
aus dem hallraum
zur brache gelotet sie
stummen wie reet
die noch wiegenden
halme und nimmt
sich zurück ein
anderes licht

© by tjm. 14./17.02.2007

Miroslav B. Dušanić: Nr. 21

© by debs15 - crows nest
Nr. 21

an diesem abend
schmerz-
getränkt
von anbeginn

doch
nicht immer

ein schrei
erstickt
in meiner kehle

Miroslav B. Dušanić

недеља, 16. новембар 2008.

субота, 15. новембар 2008.

Sara Dušanić: Erinnerung

© by Natsume
Erinnerung

Ich liebe das Schwelgen in Zeiten,
die in unerreichbarer Ferne schweben,
im Leben, wo der Duft der Jugend fruchtet
versunken für ewig - in ein Wort,
das Herz mit Füßen tretet
Erinnerungen
schlafloser Nächte

Sara Dušanić

© by Margaret Aycock

...und wieder ist es geschehen,
nächtens, die dunkle Stunde,
und hat sich gequält -
und heute Morgen lag es dann da, das Gedicht...

Frucht der Nacht

weißt du, was liebe ist,
weißt du’s?
das ist die einfache frage,
in unschuld gestellt,
und doch so verwegen...
was, denn, meint sie,
die frage, was?

lieb...
liebe...
liebe zu....
liebe zu diesem...
liebe zu diesem und...
liebe zu diesem und jenem...
liebe zu diesem...
liebe zu ...
liebe...
lieb...

weißt du, was liebe ist,
weißt du’s?

woher, bitte, stürzen die wasser,
aus gletschergestein,
aus feuchten gründen,
aus tiefen, aus quellen,
aus driften, aus meeren, aus...
woher, bitte,
nährt...
nährt sich...
nährt sich die...
nährt sich die saat...
nährt sich die blume, die frucht...
nährt sich gedeihen...
nährt sich leben...
nährt sich ...
nährt...
was...
was also...
was ist es…
was ist es denn...
was ist es denn, wenn...
was ist es denn...
was ist es...
was also...
was...
wenn...
wenn es...
wenn es denn...
wenn es denn ist…
wenn es gedeiht...
wenn es denn lebt...
das bisschen sein,
das was dann ist....

PAUSE!!!

schluchzen im Äther...
ERKENNTNIS!
tausendfach gespiegelt,
einfaltreich...simpel...
doch so kompliziert,
im ich mannigfach
erhöht wunschvoll
im ich mannigfach
doch so kompliziert,
einfaltreich...simpel...
tausendfach gespiegelt,
ERKENNTNIS!
schluchzen im Äther...

PAUSE!!!

das was dann ist...
das bisschen sein,
wenn es denn lebt...
wenn es denn lebt und ...
wenn es denn lebt und gedeiht...
wenn es denn lebt und ...
wenn es denn lebt...
das bisschen sein,
das was dann ist...

SAG BITTE NICHTS!!!

such ich...
such ich sie...
such ich sie die...
such ich sie die antwort
such ich sie die antwort im geflecht,
such ich sie die antwort im geflecht der sinne
such ich sie die antwort im geflecht,
such ich sie die antwort
such ich sie die...
such ich sie...
such ich...

SAG BITTE NICHTS!!!

denk
denk ich...
fühl ich und denk ich...
oben drüber, methaphysisch erhöht,
war da noch was, drüber,
im konglomerat bedingter,
menschlicher möglichkeiten,
fühl ich und denk ich...
denk ich...
denk

was ist der mensch,
pst...
in seiner verlorenheit,
pst...
sags nicht den kindern,
pst...
sags niemandem,
pst...

und doch, hier,
hier zwischen uns,
zwischen den wenigen,
die schon erblassten,
frag ich, wag ich die frage,
weißt du, was liebe ist,
weißt du’s?

da grabentief,
aus dem bauch raus,
der ursuppe,
dem warmen gedärm,
der fleischtasche, da in dem bauch,
entnommen, entstiegen,
entkrochen, entdrückt:
idee,
menschgeworden,
lebendig und frei.

weißt du, was liebe ist,
weißt du’s?

Gabriele Brunsch

© by Katie Welty
  
@gabriele (da sie fragt)

Wir hüten uns zu wissen
was was sei
wir wissen weiße Flecken zu entdecken
wer wen warum wo wann wie will
wir wissen unsere Welt
weil wir sie machen
Stein für Stahl
Gesetz für Cash
Gesang für Schrei
und wagen nicht zu wissen
wer weiß ist dumm
der Weise weiß nur Anderes
das keiner weiß
und weiß es nicht
wenn er es schweigt
das Wissen ist Detail
verstummt
vereinzelt mutlos
das Wovon zu wissen
wovon wir einzeln sind
ich weiß nicht wie
ich weiß nicht was
ich weiß nur wenn
mal Liebe ist
und wenn sie war

© by SuMuze

петак, 14. новембар 2008.

Claudia Johann: Der große Metaphysiker II

Fotoausschnitt: © by Bob Kelly

ein Stern fiel
in das Labyrinth des Wahnsinns
geradewegs vor die Füße des großen Metaphysikers
der Stern detonierte sanft
aber doch so
dass die Wände des Labyrinths
wie Spielkarten zusammenfielen

im letzten Flimmern
des tödlich verletzten Sterns
fand der große Metaphysiker die Orientierung wieder
er weinte dankbar aber auch verzweifelt
ein Stern hatte sich für ihn zu Tode gestürzt
nun musste er die Bürde tragen
die da hieß:
ZURÜCK IN DIE WIRKLICHKEIT!!!

Claudia Johann

четвртак, 13. новембар 2008.

Spät erfahren und trotzdem zufrieden

Beim Literaturwettbewerb der Autorenplattform Manfred Wrobel zum Thema „Von dem fünf Sinnen“ habe ich in der Kategorie der Lyriktexte den zweiten Preis gewonnen.


[vereinzelte erinnerungsfarben und –gerüche]
hypothetische biographie aller menschen nach danilo kiš

weihrauch-
geruch der lindeblüte
des basilikums
einer rose in der vase
der kamille und mischungsgewürze

geruch des kaffees
der väterlichen zigaretten
der seife des frischen bettzeugs
des brotes meiner mutter
an ihrer schürze

honigwasser-
geschmack der zwiebel
des lauchs
der schneeweißen butter
des leims und des schweißes

geschmack des blutes aus dem finger
des hustensirups
der tränen
und des urins
des selbstgebrannten pflaumenschnapses

die farben des gartens
mit blassrosa und grellroten geranien
das schimmern des regenbogens
rostrot des welkens
die bläue des himmels

das schmutzig gelb der fassade
der orthodoxe saint-veit-kirche
das flackern der kerzen
über gesichter
der heiligen auf den ikonen

Miroslav B. Dušanić
Miroslav B. Dušanić

среда, 12. новембар 2008.

Alan Sillitoe

Wie gut es ist, dass keiner mehr weiß, was ist ein Gedicht!
(Besten Dank an Claudia Johann!)


Gedicht, geschrieben im Zug nach Hereford

Schreib keine Gedichte,
Sagte der Rezensent.
Erzähl eine Geschichte,
Das sind die Sachen
Für die man dich kennt.

Unsinn, sagte ich.
Du spinnst.
Leck mich am Arsch.
Du kannst mich mal.
Verpiss dich.
Hau ab.

Na, ist das ein Gedicht?

Er sagte: Reimt sich nicht.

Alan Sillitoe


Poem Written on the Hereford Train

Don't write a poem.
The reviewer said.
Tell a story.
You are good at that.
Write prose instead.

Bollocks, I said.
Drop dead.
Get screwed.
Blow yourself up.
Fly to the moon.
Perish.

How's that for a poem?

It doesn't rhyme, he said.

Alan Sillitoe

уторак, 11. новембар 2008.

Miroslav B. Dušanić: Stillschweigen

© by Johann Heinrich Füssli - Das Schweigen

Stillschweigen 
                                            für Gabriele

Diese lange Stille erfüllt mich mit Sorge
Nichts verrät die Nacht
Noch nicht

Was ist geschehen
An welchem Platz stehst Du jetzt
im Mysterium des Seins

Wohin gehst Du immer weiter fort…
In die Ohnmacht der Tatenlosigkeit
wie Heimatlose
vom Echo der Seelen getragen

Wohin liest Du Dich
Wohin denkst Du Dich
Der Winter naht
und stürzt in die Baumäste herab

Miroslav B. Dušanić


mein stillschweigen im 5-silben-takt

in diesen hellen
novembertagen,
von licht durchflutet
ist die nacht mir fremd,
noch ist sie fremd, jetzt,
lastet nicht, sticht nicht,
schwebend die schritte
lächelnd, leicht der sinn,
so leicht, fast trunken,
auf der haut tropfen
von leiser musik,
im haar die sonne...

das zu halten wär gut,
das zu bewahren,
gleich einem kleinod,
einglasen das glück,
festkleben an mir,
lichtflecken sammeln
mit augenblicken,
im pupillentor
festmachen, ganz fest,
tief hinabsaugen
die gunst der stunden
ins sonnengeflecht...

weiß ich doch sicher,
dass mir die tage
ins nichts zerfetzen,
wenn kälte mich lähmt
und die traurigkeit,
das hungergewürm,
herkriecht zu mir,
sich zu ergötzen,
schaudernd verdunkelt
mit gieriger lust
die erinnerung
wegfrisst und grinst.

Gabriele Brunsch

© by Edward B. Gordon - Autumn Walk

понедељак, 10. новембар 2008.

Dagmar - Eva Mempel

© by Jelaine Faunce - Calla Lily

Die Verantwortung
geschultert springen

machen für jeden
und alles

Halsknoten

geschluckt bis zum steinigen
Magen

Aufschlag

zu füllen und pflichten
das Sein

schlaflos

die Kissen gefaltet
vor dem leeren Glas

Tag für Tag

breche ich
Schuldblumen

© by Dagmar - Eva Mempel

петак, 07. новембар 2008.

Gefährliche Unschärfe

Dora Carrington - Drawings from the Seven Suicides series

Gefährliche Unschärfe

Wenn im Gebirge die fernen Glocken hallen
ein entzwei gebrochenes Herz
lässt sich rösten in der Glut deiner Hand

Miroslav B. Dušanić

Unsicheres Terrain

Miroslav B. Dušanić
Unsicheres Terrain

Der Mensch
Der Raum
Die Bewegung

Dieses Hin und Her
Zwischen Dauer
Und Vergänglichkeit

Noch immer ungestillt
Noch immer unbekannt

Miroslav B. Dušanić